Balkan oder Balkon?

Sommer in Deutschland. Nicht so richtig. Urlaubszeit in Berlin hat dennoch begonnen.

Das nehmen wir heute im poachee-Feierabend mal als Anlass uns dem Thema Urlaub zu widmen.

Als ich mich kürzlich mit einem Kollegen über die bevorstehende Reisesaison unterhielt, sagte er mir, dass er dieses Jahr nicht verreisen wird. So weit nicht ungewöhnlich, aber noch interessanter als diese Tatsache alleine, war der Grund, den er mir nannte. Es ist nicht etwa so, dass es in seinem Haushalt kürzlich eine größere Anschaffung gegeben hätte, die das Urlaubsbudget verschlang oder in seinem Traumland gerade eine Revolution ausgebrochen war. Er hat auch keine Flugangst und ist keineswegs als Reisemuffel bekannt.

Wieso verschlägt es ihn dann also nicht in die Ferne?

Die Begründung war so überraschend wie einleuchtend: Er möchte sich einfach richtig ausgiebig erholen. Punkt.

Neulich auf dem Balkon

Zunächst musste ich schmunzeln. Zuhause? Ich bezweifelte, dass ich dort wirklich Erholung finden würde. Statt auf die Weiten des Ozeans würde mein Blick auf lange aufgeschobene Heimwerker-Arbeiten fallen (wobei es ja auch Leute geben soll, die sich beim „werkeln“ am besten entspannen können), oder auf unerledigten „Prio-C“-Papierkram im Ablagefach auf dem Schreibtisch. Spontan fielen mir einige, teilweise noch banalere Gründe ein, warum ich ihm vom Urlaub zu Hause abraten sollte.

Doch dann kam er mit seinen Argumenten….

Natürlich kann man die unvermeidlichen Stunden im Stau auf der Autobahn erwähnen.

Womöglich wegen eines Auffahrunfalls (in den man – im schlimmsten Fall – selbst verwickelt ist), womöglich noch bei brütender Hitze und einer Klimaanlage, die einen im entscheidenden Moment im Stich lässt.

Und wenn man die quengelnden Kinder nicht auf dem Rücksitz hat, weil mal a) brave Kinder b) keine Kinder, oder c) sich dazu entschlossen hat nicht mit dem Auto in den Urlaub zu fahren und dementsprechend dem Ganzen die Grundlage entzieht, nämlich den Rücksitz, dann stellt man unter Umständen fest, dass es quengelnde Kinder auch beim Check-in am Flughafen gibt. Und dass quengelnde, überdrehte Kinder am Flughafen nicht immer die eigenen sein müssen.

Man lernt bei der Alternative „Fliegen“ außerdem, dass auch der schnellste Check-in von Urlaubsgepäck in der Hauptsaison eine ganze Weile dauert. Schließlich reist man nicht wie sonst nur mit Handgepäck und steht natürlich (wenn auch nur gefühlt) immer in der Warteschlange, in der man am langsamsten vorankommt. Gruß an Mr. Murphy.

Aber am Ziel erwartet einen ja zum Glück die Erhol…NEIN! Ein Taxifahrer, der einen nach Strich und faden abzockt, weil man sich vorab nicht mit den lokalen Preisen auseinandergesetzt hat und/oder eine böse Überraschung, wenn sich herausstellt, dass der Swimmingpool, der eigentlich Hauptgrund für die Buchung des etwas teureren Hotels war, verschmutzt, außer Betrieb, viel kleiner als auf den Fotos oder alles zusammen ist.

Zuhause wollen die Händler weder feilschen, noch mich nach allen Regeln der Kunst über den Tisch ziehen, ich habe zwar keinen Pool, aber bin darüber zumindest nicht negativ überrascht und ich weiß wo das nächste Freibad ist und wenn es außer Betrieb ist, dann steht es noch am selben Tag auf der Website.

Was klingt nun also erholsamer?

Gut! Zugegeben, die Beschreibung der Reise, war ein wenig schwarz gemalt. 🙂

Es muss ja nicht alles schief laufen. Das Hotel kann besser sein als man es sich je erträumt hätte und die Menschen freundlicher, als die Nachbarn zuhause. Und trotzdem bleibt ein Argument PRO Urlaub zuhause unerschütterlich stehen: Die Erholung beginnt früher.

Und damit meine ich nicht etwa, die Tatsache, dass der Weg vom Bürostuhl in die Hängematte auf meinem Balkon kürzer ist als der nach Ägypten, Neuseeland oder Panama. Ich rede von der ganzen Organisation, dem ganzen Management, das man sich spart.

Flug, Hotel und Mietwagen buchen (und zwar möglichst so, dass man mit Schnäppchen prahlen kann). Das Programm vor Ort (aber bitte nicht den Standard-Touri-Kram. Es soll ja was ganz besonders sein). Reiseversicherung abschließen, Hundesitter finden und Koffer packen. Wer gießt die Pflanzen? Wer leert den Briefkasten? Sind im Kühlschrank noch Dinge, die schlecht werden, bis ich wiederkomme? Und so weiter. Die Liste der Aufgaben kann es locker mit den spektakulärsten Projektplänen im Büro aufnehmen.

Mein Kollege meinte nur, dass es all das dieses Jahr bei ihm nicht gibt. Seine Erholung hat schon seit Wochen angefangen. Lange vor dem ersten Urlaubstag.

Respekt für diese interessante, alternative Sichtweise. Wie ist das bei dir? Urlaub 2013 schon geplant? Wo geht´s hin?

Erzähl es uns und den anderen poachees in den Kommentaren, hier, bei Twitter, Facebook oder Google+. 

Übrigens: Wusstest du das ein Viertel der Deutschen am liebsten zu Hause Urlaub macht? (Zumindest, wenn man unser Land als das „Zuhause“ definiert).

poachee wünscht ein erholsames Wochenende und einen ebensolchen Urlaub. Egal wo!

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