Diese Woche in “Feierabend”: Geschäftsreisen

„Das ist das Angenehme auf Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt.“ – Johann Wolfgang von Goethe

Ja, das Reisen. Nicht erst seit der Völkerwanderung eine der Lieblingsbeschäftigungen von uns Menschen. Dass wir eigentlich zum Reisen geboren wurden, zeigt doch allein schon die Tatsache, dass unsere Vorfahren erst vor etwa zwanzigtausend Jahren sesshaft wurden. Davor war jeder quasi ständig am „reisen“.

Heute gibt viele Arten von Reisenden.

Da sind die Pauschalurlaubs-Touristen, denen am wichtigsten ist, dass ihre Reise möglichst reibungslos und ohne Überraschungen verläuft. Sie stehen – bestückt mit ausgedruckten und ordentlich zusammengehefteten Dokumenten am Check-In-Schalter. Selbstverständlich mit zu schweren Koffern und Literweise Flüssigkeiten, die sie dann – zu ihrer großen Verwunderung – an der Sicherheitskontrolle abgeben müssen.

Neben ihnen junge Leuten, die genau das Gegenteil von Ihrer Reise erwarten. Diese modernen Abenteurer wollen nicht mit Touristen in einem Atemzug genannt werden, nennen sich Backpacker oder Traveler und wenn es nach Ihnen geht, dann soll Ihre Reise möglichst außergewöhnlich und voller Überraschungen (und Komplikationen) sein und damit Stoff für möglichst kuriose Erzählungen bieten.

Dann gibt es noch die Pendler, denen man die Routine förmlich ansieht, die Fußballfans, die ihrer Mannschaft zum Auswärtsspiel im Europapokal folgen, Leute die das lange Wochenende nutzen, um der Familie einen kurzen Besuch abzustatten und dann gibt es noch…mich, den Geschäftsreisenden.

Schon auf den ersten Blick unterscheiden wir Geschäftsreisenden uns von allen anderen.

Wir sind gekleidet, als würden wir ins Büro fahren, mit dem kleinen aber entscheidenden Unterschied, dass wir einen handlichen Trolleykoffer hinter uns herziehen. Gepäck aufgeben? Nein danke! Nicht als Geschäftsreisender.

Wir sind diejenigen, die am Flughafen bereitwillig unmögliche Sitzpositionen einnehmen, damit unser Notebook-Netzteil mit der Steckdose verbunden bleibt. Einer Steckdose, die wir mit dem aufmerksamen Blick eines Jägers in den Weiten der Terminals aufgespürt haben.

Ständig auch darauf bedacht jede kostbare Minute unserer Wartezeit sinnvoll zu nutzen, indem wir E-Mails auf Smartphones und Notebooks checken, Präsentations-Slides den letzten Schliff geben, oder am Telefon bereits den Termin zum nächsten Business Trip vereinbaren.

Uns erwarten am Ziel unserer Reise keine bequemen Liegestühle am Pool oder Massagen im Spa-Bereich. Uns erwartet Arbeit, wenig Schlaf und viele Gespräche.

Und meist nicht irgendwelche Meetings, sondern Besprechungen, die so wichtig sind, dass sie nicht am Telefon geführt werden können, sondern uns dazu bewogen haben, den ToDo-Stapel im Büro liegen zu lassen, einen Flug zu buchen und unsere(n) Geschäftspartner persönlich zu besuchen.

Wir sehen frisch und erholt aus, wenn wir unsere Reise antreten und sind oft „fix und fertig“ auf dem Rückweg. (Bei Urlaubsreisenden trifft im Idealfall das genaue Gegenteil zu.)

Wenn schon das Reiseziel selbst uns keine Erholung bietet, dann doch wenigstens die Zeit davor und danach. Nicht von ungefähr kommt es, dass wir Geschäftsreisende es sind, die sich im Normalfall Erste Klasse Zugtickets kaufen.

Es ist auch kein Zufall, dass die bequemeren Sitze im Flugzeug auf den Namen „Business Class“ getauft wurden. Start-up Gründer wie ich sind dann aber doch eher in der 2ten Klasse neben den „gekochte Eier pellenden“ Familien im ICE zu finden.

Auch im Hotel sind wir Geschäftsreisenden anders, als alle anderen. Wir sind diejenigen, die sich Ladegeräte an der Rezeption ausleihen, Das Bügeleisen im Zimmer auch tatsächlich benutzen, Weckrufe zu unmöglichen Zeiten bestellen und die Hotelmitarbeiter nicht nach Sehenswürdigkeiten oder Tipps fürs Nachtleben, sondern nach den Zugangsdaten fürs WLAN in unserem Zimmer fragen.

Ich war schon in den schönsten Metropolen. Doch ich habe dort nicht auf berühmten Plätzen für Fotos posiert, bin nicht über Straßenmärkte geschlendert und habe keine Münzen in Brunnen geworfen…

New York 2012 - Met Life Building

Geschäftsreisende haben eben ein anderes Programm. Wir basteln noch ein bisschen an der Präsentation, lassen den Nachtportier für den nächsten Morgen ein Taxi bestellen und schnappen uns tapfer die unverschämt teuren Snacks aus der Minibar im Hotelzimmer.

Oft passiert das erst spät in der Nacht, weil es zuvor gemeinsam mit Kollegen oder Geschäftskontakten „noch kurz auf ein Bierchen“ in einen Pub oder an die Hotelbar ging. Da dieses Bierglas eben auch ungern alleine an der Bar herumsteht, bleibt es gerne mal nicht bei einem Glas und damit auch ebenso wenig beim „noch kurz“.

Ich habe aber dennoch nie das Gefühl gehabt, viel von den Städten verpasst zu haben. Obwohl ich in Madrid (noch) nicht im Prado, in Paris (noch) nicht im Louvre und in New York (noch) nicht im MoMA war.

Denn schon Erich Kästner wusste: „Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Tavernen“.

 

Wohin geht die Reise jetzt am langen Wochenende? Ich schreibe diesen Blog vor dem Gate um kurz nach Köln zu fliegen – die Wartezeit will ja gut genutzt werden 😉

In diesem Sinne. Schönen Feierabend und ein schönes Wochenende!

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