Dort arbeiten wo andere Urlaub machen – Traum oder Albtraum?

Die Hitzewelle, die in den vergangenen Wochen über unser Land schwappte lehrte uns, dass es nie zu spät ist die Hoffnung aufzugeben. Der kalte Winter, mit dem das Jahr begonnen hatte, schien überhaupt nicht mehr aufhören zu wollen und ich erinnere mich daran, dass ich im Mai mürrisch wieder die Winterjacke aus dem Schrank zog, nachdem gerade so etwas wie ein zaghafter Frühlingsanfang einer erneuten Kälteperiode weichen musste.

Doch dann – plötzlich – war sie da, die Hitze! 

heiss draussen?

Und kaum ist der Sommer endlich da, beschweren wir Deutschen uns prompt darüber, dass es zu heiß ist. Denn das können wir Deutschen besonders gut: Unzufrieden sein – am liebsten mit der Gesamtsituation oder im konkreten Fall damit, dass Arbeitnehmer im Gegensatz zu Schülern nicht „hitzefrei“ bekommen, egal wie sehr sie es sich wünschen oder verdient hätten.

Doch die heißen Wochen brachten so vielleicht auch für den einen oder anderen von uns die Erkenntnis, dass eines wohl gar nicht so erstrebenswert ist, wie man es sich oft vorstellt: Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Während Schüler oder Rentner sich schon in den Freibädern der Stadt das zweite Eis des Tages am Kiosk holen, gehen die meisten von uns ins nächste Meeting mit Kunden oder Kollegen, brüten über einer Exceltabelle oder schwitzen bei einer Präsentation.

Wenn wir dann die Bürogebäude abends verlassen und voller Hoffnung zu den Freibädern, Open Air Konzerten, Biergärten oder Straßenfesten eilen, müssen wir enttäuscht feststellen, dass diejenigen, die nicht beim Arbeiten waren, dort schon die besten Plätze besetzen.

Wenn man nicht ohnehin zu genervt war, um den Feierabend überhaupt entspannt genießen zu können, weil man a) vom Arbeiten in der Hitze zermürbt wurde oder b) gut gemeint leider oft das Gegenteil von gut ist und die Klimaanlage nicht nur Kühlung, sondern eine fiese Erkältung einbrachte.

So ähnlich muss es wohl den Kollegen in vermeintlichen „Traum-(Wohn/Arbeits)orten“ gehen.

Arbeiten am Strand

Wer sich aus einer Urlaubslaune heraus wünschte einfach in der Karibik, der Toskana oder Kalifornien zu bleiben, um dort zu leben und zu arbeiten, der bedachte dabei sicher nicht, dass der Job vermutlich weiterhin im Büro und nicht auf dem Liegestuhl ausgeführt wird.

Arbeiten wo andere Urlaub machen ist eben „kein Zuckerschlecken“, sondern eher „Naseplattdrücken an der Fensterscheibe des Süßwarengeschäfts, in dem andere Zuckerschlecken“.

Nicht umsonst gilt der Sunshine State Florida als Rentnerparadies. Die Leute ziehen erst dort hin, wenn die tägliche Arbeit nicht mehr den Lebensrhythmus bestimmt.

Einer der häufigsten Tipps, die man in den letzten Wochen zum Thema Hitze lesen konnte, ungefähr gleich nach „Nehmen Sie genug Flüssigkeit zu sich.“ war der, Arbeit bzw. körperliche Anstrengung in den Mittagsstunden wenn möglich zu vermeiden. In Südeuropa kennt man dieses Prinzip der „Siesta“ übrigens schon längst.

Bevor die Einführung einer bundesweiten Siesta zum Bundestagswahlkampfthema werden kann, fallen aber vermutlich längst wieder die gewohnten Regenschauer und gleichzeitig die Quecksilbersäulen in den Thermometern. Dann hängen wir wieder unsere Mäntel und Schals an die Garderoben der Büros, schauen aus dem Fenster und schwelgen in Urlaubserinnerungen, während unser Kollege in Rio seufzend die Jalousie herunterlässt damit die Sonne sich nicht im Computerdisplay spiegelt und er die gut gelaunten Surfer nicht sehen muss, die gerade zum Strand gehen während er arbeitet. J

Es ist nicht so wichtig wo dein Arbeitsplatz ist. Wichtiger ist, dass du einen Job hast, den du gerne machst.

Hast du einen solchen Job, oder bist du der nächste, der gepoached wird?

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