Einfach mal abschalten!

Am Ende einer Fernsehsendung für Kinder, die während meiner Kindheit sehr populär war, kam am Ende jeder Episode vom Moderator die Aufforderung an seine jungen Zuschauer, nun doch bitte abzuschalten.

Aber welches Interesse hatte Peter Lustig damals daran, dass ich das Gerät abschalte?

Ähnlich verdutzt bis argwöhnisch sahen das auch seine Vorgesetzten beim Sender. Schließlich wurde die Sendung immer sonntags ausgestrahlt. Die Leute mussten danach also nicht zur Arbeit oder in die Schule, sondern hätten einfach ganz gemütlich vor dem Bildschirm sitzenbleiben können.

Aber diese Bitte abzuschalten ließ nicht mit kommerziellen Interessen erklären. Dahinter stand der ehrenwerte Wunsch, dass die Kinder die Realität, deren komplexe Zusammenhänge ihnen noch kurz zuvor am Bildschirm erklärt worden waren, nun auf eigene Faust erkunden sollten.

Seit meiner Kindheit sind „ein paar“ Jahre vergangen. Peter Lustig ist längst in Rente gegangen und weder die Kinder noch die Erwachsenen werden heutzutage noch zum Abschalten aufgefordert.

Ganz im Gegenteil. Alles und jeder ist eigentlich immer „on“.

Dennoch frage ich mich hin und wieder, ob wir nicht alle öfter mal wieder für eine Weile abschalten sollten.

Es werden Mails verschickt, anstatt eine Sache kurz im persönlichen Gespräch zu klären. Obwohl der Empfänger der Zeilen doch nur zirka zehn Schritte entfernt im selben Büro sitzt.

Und in der S-Bahn-Fahrt wird die Welt nur noch wie gebannt durch das „leuchtende Fensterchen“ in der Handfläche betrachtet, anstatt den Blick mal wieder aus dem Fenster zu richten oder sich mit dem Sitznachbarn zu unterhalten.

Doch es gibt Hoffnung:

Ein Freund verbrachte kürzlich eine Urlaubswoche auf einer Mittelmeerinsel. Sein Handy blieb zu Hause und bekam dort die Möglichkeit sich eine Woche lang vom ständigen Standby-Modus zu erholen.

Eine Freundin schaltet ihr Handy seit kurzem konsequent aus, wenn sie das Drehkreuz an der Kasse des Freibads hinter sich lässt.

Und hier noch ein Vorschlag für alle, die selbst beim Mittagessen mit dem „rumnästeln“ an Smartphones, Tablets usw. nicht pausieren können: Einfach mal alle Geräte mit dem Display nach unten auf die Tischfläche legen und diese nicht umzudrehen, bis die Rechnung bezahlt wurde und das gemeinsame Essen vorbei ist. Und wer es nicht aushält und vorher „schwach“ wird, der muss die Rechnung für alle am Tisch bezahlen. Wirkt Wunder 😉

Was alle drei Beispiele gemeinsam haben: Die „Abschaltungs-Erfahrungen“ waren allesamt sehr positiv.

In der Urlaubssaison oder jetzt vor dem Wochenende hört man die Leute oft davon reden, dass Sie gerne mal so richtig abschalten würden.

Mein Tipp: Einfach mal mit dem „Off“-Knopf an den elektronischen Helferlein beginnen.  Und wenn´s nur für ein paar Stunden ist. Dann kommt das mentale Abschalten wie von selbst.

Button Off

Ich wünsche allen Poachees einen schönen Feierabend und ein erholsames, sonniges Wochenende.

 

Buchempfehlung für alle, die ohne das „vibrierende Ich“ (noch) nicht können:

http://www.amazon.de/Das-Gl%C3%BCck-Unerreichbarkeit-Wege-Kommunikationsfalle/dp/386774002X

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *