Jobs, die es nicht mehr gibt – Teil 2

Ständig entstehen neue Jobs. Noch vor einigen Jahren konnte niemand was mit Berufsbezeichnungen wie „Blogger“ oder „Social Media Manager“ etwas anfangen. Andere Berufe verschwinden hingegen oder existieren schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Wir bringen beides zusammen: In unserer Serie „Jobs, die es nicht mehr gibt.“ erweisen wir ausgestorbenen Berufen die letzte Ehre und bringen sie im „poachee-Feierabend!“, dem Freitagsblog von poachee.com, der „Generation Social Media“ näher.

Im zweiten Teil der Serie geht es heute um zwei Berufe, die beide ihren Ursprung im Mittelalter hatten, Jahrhunderte überdauerten aber inzwischen längst ausgestorben sind.

Nachtwächter

Obwohl es den Beruf des Nachtwächters nicht mehr gibt, hat die Bezeichnung im Volksmund überlebt. Die Wirte in Deutschland bezeichnen das Bier vom Vortag, das sich in der Leitung einer Zapfanlage befindet mancherorts als „Nachtwächter“ und auch vergessliche, tölpelhafte oder langsame Menschen, werden von machen Nachtwächter genannt.

Allein der Arbeitszeiten wegen, war der Nachtwächter, meist ein Außenseiter. Wenn er seine Arbeit verrichtete, schliefen die meisten Leute. Diejenigen, die sich noch in den Straßen der Städte herumtrieben, waren suspekt. Deshalb war der Nachtwächter, auch stets bewaffnet, wenn er diese potentiellen Bösewichte, anhielt, befragte und gegebenenfalls verhaftete.

Kurioserweise galt der Beruf, trotz dieser ehrenwerten Beschützerrolle, in den meisten Städten als „unehrlicher Beruf“, schlecht bezahlt und gleichgestellt etwa mit dem des Henkers.

Wer das Wort „Nachtwächter“ hört, der denkt vermutlich auch nicht gleich ans Singen. Und doch war dies ein wichtiger Teil der Jobbeschreibung. Auf seinen nächtlichen Rundgängen sollte er die Bürger nicht nur beschützen, sondern auch die Stunden ausrufen, was oft mit entsprechenden Liedern geschah. Ein ausführliches Zeugnis davon gibt das Buch „Stundenrufe und Lieder der deutschen Nachtwächter“, das 1897 erschien. Gerade noch rechtzeitig, denn schon wenig später gab es keine Nachtwächter mehr. Die Beschützeraufgaben übernahm die Polizei, allerorts wurde nach und nach die Straßenbeleuchtung eingeführt und erschwingliche Uhren für jeden Haushalt sorgten dafür, dass man nicht mehr auf die Zeitansage eines Nachtwächters angewiesen war.

Scharfrichter

Auch diesen Berufstand gibt es hierzulande nicht mehr. Nicht etwa, weil ihre Aufgaben heutzutage andere übernehmen, sondern, weil die Todesstrafe glücklicherweise vor über sechzig Jahren in der Bundesrepublik abgeschafft wurde (in Bayern übrigens erst 1998).

Schon bevor der Beruf im Mittelalter entstand, wurden in Europa Menschen hingerichtet. Es war jedoch Aufgabe der Gemeinschaft und man musste erfinderisch sein, um jemanden zu finden, der die schreckliche Aufgabe übernahm. Unter der Herrschaft von Kaiser Barbarossa wurden zum Beispiel elf Mitglieder einer zwölfköpfigen Bande durch den zwölften hingerichtet. Oft musste dieses Amt auch der jüngste Ehemann einer Gemeinschaft übernehmen. So war sichergestellt, dass es immer wieder eine andere Person machen musste.

Der Beruf, der sich schließlich entwickelte war, wie der des Nachtwächters, schlecht bezahlt und „unehrlich“, also gesellschaftlich geächtet.

Interessanterweise war der „Meister Hans“, wie der Henker vielerorts genannt wurde, aber oft jemand dessen Wissen und Produkte insgeheim hoch angesehen waren.

Im Gegensatz zu den Ärzten, die an Universitäten studierten, wo nur Theorie vermittelt wurde, hatte er praktische Anatomiekenntnisse. Einen Körper nach dem Tod für medizinische Forschungszwecke zu obduzieren war nämlich verboten. Der Scharfrichter öffnete bei besonders grausamen Hinrichtungen sogar lebendige Leiber oder wusste welche Gelenke bei welcher Belastung zerbrechen. So kam es, dass sich viele Henker, mit diesem medizinischen Wissen, als Heiler illegal etwas dazuverdienten.

Auch mit dem Verkauf der „Abfallprodukte“ ihrer Arbeit konnten sie ihren Lohn aufbessern. Menschenfett wurde von Apothekern zur Herstellung von Salben verwendet, aber auch viel kuriosere Dinge fanden Abnehmer, die ihnen magische Fähigkeiten zuschrieben. Der Speichel eines zu Tode Gekitzelten, Diebesdaumen oder die Schamhaare einer gehenkten Frau, um nur drei zu nennen.

Bis ins 19. Jahrhundert tranken Epileptiker sogar das Blut eines frisch Geköpften, in der Hoffnung davon geheilt zu werden.

Offensichtlich war zu dieser Zeit der Beruf auch nicht mehr so geächtet, das man ihn nur ausübte, wenn der Vater bereits Henker gewesen war. Immerhin bewarben sich in London über zwölfhundert Menschen, als ein neuer Henker gesucht wurde.

Verbrecher gibt es heute noch, Nachtwächter um sie zu verhaften und Henker um Sie zu bestrafen nicht mehr.

Welche Berufe, die es nicht bis in die heutige Zeit geschafft haben, fallen dir spontan ein? Schreib uns und wir schreiben in Teil drei unserer Serie darüber im poachee-Feierabend!

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