Jobs, die es nicht mehr gibt – Teil 3

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Unbekannte Bekannte

Längst sind Sie vom Jobmarkt in Deutschland verschwunden, tot, ausgestorben, und trotzdem leben sie in unserer Nachbarschaft, dominieren die Klingelschilder unserer Nation. Die Rede ist von Berufen, die heute niemand mehr ausübt, die es jedoch geschafft haben sich als Familiennamen unsterblich zu machen.

In der dritten Folge unserer Serie „Jobs, die es nicht mehr gibt.“ stellen wir heute zwei dieser ausgestorbenen Berufe vor.

Wagner

Man braucht kein Genie sein, um zu wissen, dass nicht jeder Herr Müller in Deutschland eine Mühle besitzt und Herr Schmied vermutlich höchstens Urlaubspläne schmiedet statt Eisen zu verbiegen. Niemand wird sich auf eine Herde blökender Schafe einstellen, nur weil sich der Mann am Telefon, als Herr Schäfer vorgestellt hat, und nur weil Schuster auf dem Türschild steht heißt es noch lange nicht, dass derjenige, der dort wohnt in der Lage wäre kaputte Schuhe wieder in Ordnung zu bringen.

Diese willkürlich gewählten Beispiele zeigen, dass es viele Nachnamen gibt, die Rückschlüsse auf die Berufe der Vorfahren zulassen, selbst wenn in der Familie oft schon seit vielen Generationen niemand mehr den Beruf ausübt.

Warum? Weil es die Berufe heute noch gibt.

Bei anderen Namen erschließt sich uns dieser Zusammenhang nicht sofort.

Hand aufs Herz, wer den Namen Wagner hört, der denk doch zunächst an Musik, an Oper, Festspiele mit Limousinen aus denen Prominente aussteigen oder/und an Bayreuth.

Gut, immerhin sind Limousinen dabei, also nicht alle Assoziationen auf der falschen Fährte.

Ein Wagner war „KfZ-Mechaniker“ kein Komponist, zumindest wenn man die Wägen und Kutschen vergangener Jahrhunderte schon als „Kraftfahrfahrzeuge“ bezeichnen will.

Wagner bauten und reparierten Räder aber auch ganze Wägen und waren über Jahrhunderte hinweg damit unverzichtbar für alle die nicht auf einem Pferderücken, einem Fluss oder zu Fuß von A nach B unterwegs waren.

Auch wenn heute der eine oder andere vom „Wagen“ redet, wenn er sein Automobil meint. Auch wenn ein Konzern die Autobranche dominiert, der gegründet wurde um „Wägen fürs Volk“ zu bauen und diese Aufgabe sogar im Firmennamen verewigt hat; Niemand würde heute auf die Idee kommen einen Autobauer oder Reifenproduzenten als Wagner zu bezeichnen.

Die Arbeitsstätten der Wagner wurden übrigens als Stellmachereien bezeichnet. Auf deutschem Boden gab es solche in den Produktionsgenossenschaften der DDR immerhin bis 1989.

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Köhler

Der Köhler. Horst? Nein, nicht der Bundespräsident a.D.  …der Köhler als Solcher, führte meist ein einsames und karges Leben in einer Köte (Köhlerhütte) in der Nähe eines Meilers.

In Meilern wurde seit dem Altertum Holzkohle hergestellt. Ein Prozess der, je nach Größe dieser kegelförmigen Haufen aus Holzscheiten zwischen sechs Tagen und mehreren Wochen dauerte. Die Aufgabe des Köhlers war es die durch Aufstechen und wiederverschließen den Windzug im Meiler so zu regeln, dass die Temperatur von ca. 300 Grad Celsius gewährleistet war, bei der der Verkohlungsprozess einsetzt. Am austretenden Rauch konnte ein Köhler den Status der Verkohlung erkennen.

Die Arbeitsbedingungen der Köhler waren menschenunwürdig. Da die Temperatur möglichst konstant gehalten werden mussten, konnten die Kohleproduzenten sich nie lange vom Meiler entfernen und waren dauerhaft Schmutz, Ruß und Qualm ausgesetzt. Das freigesetzte Kohlenmonoxid führte  zu Schlafmangel und Angstzuständen und anderen psychischen Leiden. Körperlich hatten Köhler oft mit Brandverletzungen zu kämpfen.

Die letzten Worte der Rücktrittsrede des Bundespräsidenten Horst Köhler vom 31.Mai 2010 „Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespräsident zu dienen.“ wirken deshalb noch beeindruckender wenn man sich vor Augen führt, dass die Köhler während des gesamten Mittelalters geächtete Leute waren und der Beruf als „unehrlich“ also unehrenhaft galt, wie der des Henkers oder Nachtwächters

Gehört auch der Name deiner Familie zu den „Jobs, die es nicht mehr gibt“? Kennst du jemanden, dessen Beruf vom Aussterben bedroht ist? Oder gibt es sonst etwas zum Thema, das du mit den anderen poachees teilen möchtest. Schreib es in die Kommentare. Hier im Blog, bei Face, Twitter oder google+.

Wir freuen uns auf deinen Input zum Thema, wünschen dir einen schönen Start ins Wochenende und verabschieden uns bis zum nächsten „Poachee-Feierabend!“

 

 

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